Die Blume im Knopfloch
Die Rückkehr der BoutonniereEs gibt Kleinigkeiten im Outfit eines Mannes, die ein wenig Mut erfordern. Und oft sind es gerade diese Kleinigkeiten, die nicht nur ins Auge fallen, sondern vielmehr Stil und Klasse beweisen ? wenn man sie entsprechend durchziehen kann.
Eine dieser zu Unrecht vergessenen Kleinigkeiten ist die Bouttoniere. Noch vor wenigen Jahrzehnten gehörte die Blume im Knopfloch zum klassischen Kleidungsarsenal des Gentlemans. Heute sieht man dieses Accessoire auf der Straße eher selten. Kommt sie noch vor, so wird, meist zu Hochzeiten oder Festbällen, eine ungünstig ausgesuchte Blume mit einer Sicherheitsnadel ans Revers geheftet und stört eigentlich eher, als irgendeine Form von modischem Mehrwert darzustellen. Warum eigentlich?
Kleidung hat mehrere Aufgaben. Eine ist, den Körper vor Umwelteinflüssen zu schützen. Eine weitere, gut auszusehen. Aber Kleidung soll auch die Persönlichkeit ihres Trägers unterstreichen. Und dies ist mit einer kleinen Blume am Revers durchaus gut möglich. Bei vielen mag die Furcht im Hintergrund stehen, mit einer Blume nicht maskulin genug auszusehen. Dabei hat die Reversblume in der Herrenmode eine jahrhundertelange Tradition. Und prominente Träger wie Nelson Mandela oder Prinz Bernhard der Niederlande bewiesen und beweisen, dass sie keineswegs unmännlich aussieht. Zu den eifrigsten Verfechtern der Blume im Knopfloch gehört auch Umberto Angeloni, und der muss es wissen: immerhin ist er Vorstand der traditionsreichen italienischen Anzugmarke Brioni.
Dabei ist die Boutonniere geradezu dekadent. Ob Manschettenknöpfe, Taschenuhr oder Krawattennadel, jedes andere Schmuckstück der Herrenmode erfüllt einen Zweck. Selbst das Einstecktuch war ursprünglich einfach ein Taschentuch, um sich den Schweiß abzutupfen. Da erscheint es geradezu frivol, völlig zweckfrei eine Blüte zu tragen, deren einzige Aufgabe ist, gut auszusehen. Doch gerade dadurch sendet sie auch ein subtiles Signal: Ja, ich achte auf Stil und Optik, auch wenn es gelegentlich nicht ganz dem Zeitgeist entspricht. Die Butonniere wirkt ausgesprochen elegant, vorausgesetzt, Sie haben das Selbstbewusstsein, sie zu tragen.
Die kleine Blume zeigt nicht nur Detailbewusstsein, sie ist auch ein guter Aufhänger für Smalltalk. Denn irgendjemand wird Sie darauf ansprechen. Die Blume kann auch den Gipfel der Romantik darstellen. Stellen Sie sich vor, Sie treffen zufällig Ihre Traumfrau. Das Gespräch fließt, Sie landen bei Kerzenlicht in Ihrem Lieblingsrestaurant. Als Sie sich nach Stunden verabschieden, überreichen Sie Ihr nicht einfach eine schnöde Visitenkarte, sondern ? mit einer vollendeten Verbeugung ? die Rose aus Ihrem Revers. Märchenhaft!
Wichtig ist natürlich, die Blume auch korrekt zu tragen. Wählen Sie immer nur eine einzelne Blume, keinen ganzen Strauss. Ein klassisch geschnittener Anzug hat hierfür ein komplett funktionales Knopfloch am Revers. Ist es zugenäht, trennen Sie es vorsichtig auf. In gehobener Preisklasse befindet sich auf der Reversrückseite eine kleine Schlaufe, um den Stängel der Blume einzustecken. Wenn Ihr Anzug diese Schlaufe nicht besitzt, können Sie sie unauffällig in wenigen Minuten selbst anbringen, ohne ein Meister im Umgang mit Nadel und Faden zu sein. Die Schneiderei Ihres Vertrauens übernimmt dies auch gerne für Sie.
Der Klassiker für das Knopfloch ist eine weiße Nelke. Eine rote ebensolche sieht ebenfalls sehr gut aus, ist aber nicht ohne politische Aussage. Schon in der französischen Revolution trugen Adelige auf dem Weg zum Schafott eine rote Nelke im Knopfloch, um ihre Unerschrockenheit zu demonstrieren. Später übernahm die Arbeiterbewegung das Symbol.
Auch eine kleine Rose oder bei besonders festlichen Anlässen eine kleine Orchidee wirken sehr edel. Wichtig ist, dass Sie die Blume auf Ihr Outfit abstimmen. Kombinieren Sie sie farblich passend zu Ihrer Krawatte. Bei offiziellen Anlässen passt eine weiße Nelke hervorragend zu einer Krawatte silber. Auch ein weißes Einstecktuch harmoniert hier hervorragend. Ob Sie Einstecktuch und Boutonniere kombinieren, oder ob Ihnen das zu viel des Guten ist, müssen Sie für sich entscheiden.
Haben Sie den Mut, bei Ihrem Hemd zu Pastellfarben wie Flieder oder Rosé zu greifen? Um so besser. Ein helles fliederfarbenes Hemd mit einem kleinen Zweig Flieder im Revers ist stilistisch kaum noch zu überbieten.
Die einzige Schwierigkeit ist, dass gerade bei warmem Wetter eine Blume nach einem Tag in Ihrem Revers nicht mehr so gut aussieht wie am Morgen. Wenn Sie sie länger tragen möchten, empfiehlt es sich, in eine Knopflochvase zu investieren ? ja, so etwas gibt es wirklich. Getragen wird sie hinter dem Revers. Aber manch einer soll auch schon sehr gute Erfahrungen mit einer Parfümprobenflasche oder gar umgebauten Tintenpatronen gemacht haben.
Sie können mit einem extrem einfachen Trick also Ihre Kleidung massiv aufwerten und werden optisch vom Anzugträger zum vollendeten Dandy. Alles,was Sie dafür brauchen, sind eine Blume und ein wenig Mut.
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