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erstellt von: krawatten, am 19.10.2010 12:55 , Clicks: 1399

Internationaler Tag der Krawatte

Gedanken zu einem Kleidungsstück

Der 18. Oktober ist der Internationale Tag der Krawatte. Hierzulande ein eher unbeachteter Tag. Und der Verfasser dieser Zeilen muss leider bekennen, dass er ? ausgerechnet im Büro eines Krawattenportals - selbst gerade mit offenem Hemdkragen am Schreibtisch sitzt. Nun, in merkwürdigen Gedenk- und Aktionstagen ersticken wir ja geradezu. Ist neben solchen Absurditäten wie dem Tag des Deutschen Bieres (23. April), dem Tag des Butterbrotes (letzter Freitag im September) oder dem Internationalen Tag der Putzfrau (08. November) wirklich noch Platz für einen Aktions- und Gedenktag, der ausgerechnet ein Stück Stoff zum Gegenstand hat?

Über kaum ein Kleidungsstück wurde so oft und viel debattiert wie über den klassischen Langbinder. Denn sein praktischer Nutzen erschließt sich nicht sofort. Sicher, eine Krawatte hält den Hemdkragen geschlossen und verdeckt die Knopfleiste des Hemdes. Wahrscheinlich liegt darin ein Grund für ihren Siegeszug. Denn das Hemd galt traditionell als Unterwäsche, die man eben nicht zeigte. Knopfleisten und Nähte durften schon gleich gar nicht in der Öffentlichkeit sichtbar werden. Daher leiten sich zum Beispiel die Seidenstreifen an Frack- und Smokinghose ab ? sie verdecken die Naht.

Sonst aber ist die Krawatte das einzige Kleidungsstück, das keine andere Aufgabe hat als gut auszusehen. Die pure Dekoration, sozusagen. Geradezu dekadent. Wie konnte es der Binder dennoch schaffen, zum festen Bestandteil abendländischer Kleidungskultur zu werden?

Nun, gerade in konservativen Branchen ist der Dresscode nicht sehr flexibel. Man trägt Anzug in Business Black (anthrazit oder sehr dunkles dunkelgrau). Wer sich besonders rebellisch fühlt, wählt ein hellblaues Hemd statt dem klassischen Weiß. Da ist die Krawatte die einzige Möglichkeit, Individualität zu beweisen. Zwar ist man auch dann mit einem nicht allzu auffälligen Streifenmuster bestens bedient, bei der Farbe hingegen wird gerade dem jüngeren Anzugträger noch einiges nachgesehen.

Diese Betonung auf den beruflichen Sektor hat leider vielen den Griff zur Krawatte verleidet. Und doch: eigentlich ist die Krawatte nicht Bestandteil einer Uniform, sondern ein Schmuckstück. Und zwar das einzige, das in der Herrenmode allgemein akzeptiert ist. Ob sportliche Paisleys, dezente Streifen oder gar samtglänzende Unifarben, selten hat Man(n) die Möglichkeit, sich so individuell auszudrücken. Zum Glück gibt es wieder mehr Menschen, für die die Krawatte nicht mehr nur ungeliebte Ausrüstung, sondern auch in der Freizeit genutztes Accessoire ist.

Somit ist es vielleicht gar nicht so schlecht, den Binder einmal wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken und allgemein mal wieder darüber nachzudenken, wie die klassische Herrenmode eben doch eine gewisse Eleganz ausstrahlt. Auch im

Übrigens: die Kroaten, die sich gern als Erfinder der Krawatte bezeichnen (zumindest sind sie die Erfinder des Begriffs ?Krawatte?, der sich von ?Kroate? ableiten soll), begehen diesen Aktionstag traditionell mit diversen Aktionen, vor allem in Zagreb, dem Zentrum der osteuropäischen Krawattenindustrie. Die ?Academia Cravatica? fordert gar, das Krawatte bedeutende englische Wort ?Necktie? im Sprachgebrauch durch ?Cravat? zu ersetzen, um die ursprünglichen Wurzeln des Begriffs zu erhalten.


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