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erstellt von: krawatten, am 19.10.2010 17:23 , Clicks: 1467

Geschmack ist lernbar

Der Weg zum persönlichen Stil

Bewundernswert. Da greifen manche Menschen einmal in ihren Kleiderschrank, und was sie hervorziehen, passt perfekt zueinander. Manches davon ist alles andere als modisch gerade aktuell, manches ist vielleicht gerade erst im Kommen, und einige Kleidungsstücke sehen sogar aus wie von Großvater geerbt. Und trotzdem: der Gesamteindruck passt einfach.

Auch beim Einkaufen begegnen uns diese Zeitgenossen. Da kaufen sie beispielsweise einen neuen Schal. Wenn wir sie damit das erste Mal sehen, haben wir einen neuen Menschen vor uns. Dabei passt wie zufällig ? das gute Stück auch noch zur einfarbigen Krawatte darunter. Und trotz all dieser Einfachheit wirken sie, als wäre ihr persönlicher Stilberater stets dabei. Wenn Sie hingegen versuchen, sich hiervon eine Scheibe abzuschneiden, kann das nur schiefgehen.

Warum? Nun, diese Menschen haben Geschmack. Und den bekommt man nicht durch Nachahmung. Ganz im Gegenteil ? der geschmackvolle Mensch kann es sich leisten, sich auch einmal über den Zeitgeist hinwegzusetzen. Denn er hat seinen Stil gefunden und setzt ihn konsequent um.

Ist diese Eigenschaft angeboren, oder vielleicht vom Geldbeutel abhängig? Weder das eine noch das andere. Natürlich wird Ihrem qualitätsbewussten gegenüber auffallen, ob ihr Pullover aus Polyester oder Kaschmir ist. Ihnen beim Tragen hoffentlich auch. Das letzte hingegen, was Ihre Garderobe braucht, ist ein aufwändiges Label. Vorausgesetzt, die Qualität stimmt. Wichtig ist vor allem, dass Sie einen Blick dafür bekommen, was zu Ihnen passt. Eine Farbberatung kann dabei wertvolle Dienste liefern. Meist sind aber gerade unsere Lieblingsfarben die Farbtöne, die wir auch ohne Bedenken tragen können. Unser Unterbewusstsein ist da sehr leistungsfähig.

Ein schlichter dünner Wollpullover in Ihrer Lieblingsfarbe kann sehr viel besser zu Ihnen passen als ein ungünstig geschnittener Kaschmirjumper in Ihrer absoluten Hassfarbe. Was Sie vermeiden sollten, ist ein wilder Farbmix. Denn was damals in den 70'ern in der Disco gut aussah, muss heute noch lange nicht Retrostil-Eleganz ausstrahlen. Suchen Sie sich eine Basisfarbe, die Ihnen steht. Fragen Sie ruhig Freunde oder Ihren Partner nach deren Meinung. Gedeckte Farben sind hier wesentlich geeigneter als Signaltöne.

Meist kann der Blick in den Kleiderschrank aufschlussreich sein: wahrscheinlich haben Sie unbewusst längst ein paar Kleidungsstücke zusammengetragen, die in eine sehr ähnliche Richtung gehen, was Farbe und Schnitt anbelangt. Diese können bei der Renovierung Ihrer Garderobe die Grundlage liefern, denn offenbar gefallen Sie sich ja darin.


Haben Sie sich für einen Ton entschieden, versuchen Sie, ein paar möglichst breit kombinierbare Kleidungsstücke darin zu finden. Der dicke Norwegerpullover kann ein sehr bequemes Kleidungsstück sein, aber sie können ihn nur im Winter in Ihrer Freizeit tragen. Ein dünner Rollkragenpulli nimmt Ihnen hingegen auch ein Sakko nicht übel, wenn es nicht allzu festlich sein soll.

Diese farblich abgestimmten Kleidungsstücke wählen Sie am besten in klassischen, zeitlosen Schnitten. Farbe ist ein Trumpf, Schnitt ein anderer. Den Bezug zur aktuellen Mode können Sie über Kleinigkeiten wie einen edlen Schal oder Gürtel herstellen. Nun sehen Sie in den Spiegel. Gefällt Ihnen, was Sie sehen?

Was aber das allerwichtigste ist: Tragen Sie keine Kleidungsstücke, die Sie nicht mögen. Die Krawatte, die Sie schon immer hässlich fanden? Weg damit. Den Pullover, der so grauenhaft kratzt? In die Mülltonne. Und zwängen Sie sich nicht in Kleidungsstücke, die Sie nicht mögen. Wenn Ihnen Poloshirts schon immer zu konservativ vorkamen, müssen Sie sie auch dann nicht tragen, wenn sie gerade modern sind. Ähnliches gilt für den rustikalen Button-Down-Kragen, auch wenn er in Ratgebern als das Nonplusultra der Freizeitmode gefeiert wird.

Bis auf ein paar Modesünden wie Ballonseide oder Tennissocken können Sie so ganz viel gar nicht falsch machen, solange es nicht um Businessgarderobe geht.

Wenn Sie nun das nächste Mal einkaufen gehen, überlegen Sie einfach, wie das neue Kleidungsstück zu Ihrer Basisgarderobe passt. Nicht dass Sie nicht auch manchmal den Mut haben dürften, etwas Neues auszuprobieren, auf der sicheren Seite sind Sie aber mit geschicktem Kombinieren. Zumal Sie sich ja meist nicht komplett neu einkleiden wollen, sondern nur ein oder zwei Teile mitnehmen werden.

So ausgerüstet können Sie nun auch Ihre formellere Kleidung unter die Lupe nehmen. Die Anzugfarbe mag vielleicht nicht zur Debatte stehen, aber suchen Sie ruhig eine Krawatte aus, die passt. Keine großen Motive, konservativ ist hier besser, aber es muss auch nicht immer der britische Streifen sein. Auch bei der Hemdfarbe haben Sie etwas Spielraum. Bei Mantel und Accessoires (Manschettenknöpfe, Einstecktuch...) setzen Sie wieder auf Ihre Basisfarbe.

Die wichtigste Grundregel: Mode ist gut, persönlicher Geschmack ist besser. Wenn Ihnen ein Trend nicht gefällt, müssen Sie ihn auch nicht mitmachen. Lassen Sie sich nie von der Mode vorschreiben, was Sie zu tragen haben, sondern nutzen Sie sie als Anregung und Angebot. Das ist es, was persönlichen Stil ausmacht.


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