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erstellt von: krawatten, am 12.12.2010 12:20 , Clicks: 1334

Von Cowboykrawatten und Saloonschleifen

Der gar nicht so wilde Westen...

Hollywood hat ihn wiederbelebt, der Italo-Western ihm ein neues Gesicht verliehen. Bücher von Autoren wie Karl Mai und später dann aufwändig produzierte Filme prägten unser Bild des Wilden Westens,den es so eigentlich nie gegeben hat. Da überrascht schon ein wenig, dass die ach so harten Westbewohner zumeist eben nicht gerade nur Texashut und Jeans trugen (die im übrigen relativ spät das Licht der Welt erblickten), sondern auch ? Krawatte.

Wie? Das stört das Bild jetzt schon ein wenig. Fangen wir lieber an einem anderen Ende an. Nach eigenen Angaben ritt der Schmuck-Schmied Victor Cedarstaff mit Freunden durch seine Heimat Arizona. Da es ziemlich windig war, verlor er häufig sein silberbesetztes Hutband. Nachdem er es einmal mehr eingesammelt hatte, beschloss er kurzerhand, es sich um den Hals zu hängen. Promtpt rissen die, wie man als echter Westernreiter eben so ist, derbe Sprüche über seine neue elegante ?Krawatte?. Warum eigentlich nicht, dachte er sich, und meldete 1940 die Bolo-Tie zum Patent an. Sie besteht aus einer Lederschnur mit metallbesetzten Enden, die um den Hals gelegt und mit einer Spange oder Brosche zusammengehalten wird. Patent hin oder her, Cedarstaffs Rolle bei der Erfindung dieses Accessoires, das wie kein anderes zum Westen gehört, ist zumindest umstritten. Denn schon Jahrzehnte früher tauchten die ersten der stylischen Halsbinden auf. Navajo-Silberschmiede versuchten sich schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts daran, und der Handelsposten Zuni Pueblo in New Mexico zeigt gar eine Bolotie, die aus dem Jahre 1866 stammen soll.

Dass in einer eher handfesten Gegend ein schmales Lederband irgendwie passender schien als eine Seidenkrawatte, scheint nicht besonders überraschend. Auch in Fernsehrserien trugen Schauspieler sie gerne, um ihre Herkunft aus einem der ?wilden? Staaten wie Texas oder Arizona zu betonen. Während hierzulande die Akzeptanz des Halsschmucks nicht besonders hoch ist ? Westernfreaks und Squaredance-Gruppen mal ausgenommen - , erfreut sich die Bolotie in den USA auch bei Politikern großer Beliebtheit. Schon 1972 erhob der Bundesstaat Arizona die Bolo-Tie in den Rang einer ?Staatskrawatte?. Texas und New Mexico folgten nur wenige Jahre später.

Die Schließen der kunstvollen Lederbänder sind inzwischen häufig Kunstwerke. Da gibt es verschnörkelte Staatswappen, kunstvolle indianische Silberarbeiten mit Türkisen, durchbohrte antike Dollarmünzen, es gibt nichts, was es nicht gibt.

Die Frage, ob es sich bei der Bolo-Tie um eine Krawatte handelt, ist so leicht nicht zu beantworten. Eine High School aus Montana verneinte diese Frage klar und verweigerte so einem 17-Jährigen Schüler sein Abschlusszeugnis, weil er es sich mit der traditionellen Lederschnur geschmückt abholen wollte. Die Begründung der sittenstrengen Pädagogen: das Protokoll sehe für diese Gelegenheit eine Krawatte vor, und eine Bolo sein nun mal keine.
Der Fall ging vor Gericht, der Schüler bekam Recht. Auch, weil die Politik sich einschaltete. Montanas Gouverneur Brian Schweitzer wetterte gegen die realitätsfernen Lehrer und argumentierte, es sei eine Schande, die Bolo-Tie abzulehnen, die doch im ganzen Westen DER Halsschmuck schlechthin sei. Dem klagenden Bolotie-Träger ließ er prompt eine seiner eigenen Bolos zukommen ? mit Montanas Staatswappen, versteht sich.

Nun, schlecht sieht das schmale Band natürlich gar nicht mal aus. Jedenfalls nicht zu einem weißen Hemd mit Doppelmanschette und den richtigen Manschettenknöpfen. Aber ein wenig exzentrisch für unsere Verhältnisse ist der Look schon. Wenn Sie also eher ungern im Mittelpunkt stehen, bleiben Sie lieber bei einer gestreiften Krawatte.

Übrigens: Als Party-Outfit können Sie auch die gute alte Saloon-Schleife ausprobieren. Die bekommen Sie nicht mehr zu kaufen, Sie nehmen einfach ein nicht zu breites Satinband in der richtigen Länge. Wie man das gute Stück bindet? Nun, wie machen Sie sich täglich die Schuhe zu? Das wirkt wesentlich festlicher als ein offener Hemdkragen und dabei modisch genug, um Trendsetter zu bleiben.

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