Kleine Uhren-Etikette
Zeitlos oder zeitgemäß?Wem die Stunde geschlagen hat... Bekanntlich ist dem Herrn von heute bei formeller Kleidung nicht allzu viel Schmuck erlaubt. So wenig wie möglich, warnen Stilratgeber und Modeberater. Also, keine dicken Goldketten, keine protzigen Kragennadeln, und erst recht keine witzigen Krawattenklammern. Allenfalls ein Ehering geht noch durch, ein Siegelring höchstens noch dann, wenn Sie einem uralten Adelsgeschlecht angehören. Wird es festlicher, verlangt der Dresscode nach Manschettenknöpfen. Das einzige Schmuckstück, bei dem der Herr noch ein wenig individuell bleiben kann, ist die gute alte Armbanduhr.
Nun, wie immer, wenn etwas übertrieben werden kann, wird es früher oder später auch übertrieben werden. Und so finden wir an manchem Handgelenk nicht nur eine Uhr, sondern einen Präzisions- Chronografen mit den Abmessungen einer Radkappe. Offenbar ist die Freiheit hier keine völlige, denn eine übergroße Sportuhr zum Anzug wirkt merkwürdig. Und wer mit farbenfroher Digitaluhr aus Plastik am Handgelenk zum Geschäftstermin erscheint, braucht sich über die mitleidigen Blicke seines Gegenübers nicht zu wundern.
Dabei verspottete schon 1978 der Schriftsteller Douglas Adams in seinem berüchtigten Werk ?A Hitchhiker's Guide through the Galaxy? die Menschheit als ?so primitiv, dass sie immer noch glauben, Digitaluhren seien eine gute Idee.? Nun, sie sind praktisch. Das sind Plastikkugelschreiber und Leinenbeutel auch. Nur: auch wenn manche Anbieter inzwischen Digitaluhren aus Titan oder Weißgold herstellen, kommen sie doch stilistisch nicht an die Eleganz und Schlichtheit einer ?normalen? Uhr heran. Wenn Sie also in Ihrer Freizeit eine Uhr brauchen, die Ihnen Zehntelsekunden anzeigt, vor Spielereien nur so strotzt und Ihnen die Arbeit erspart, die Uhr lesen zu müssen (was die meisten von uns spätestens seit der Grundschule können sollten), greifen Sie ruhig zur Digitalanzeige. Eine Zeit lang gab es auch keine Funk-Armbanduhren mit normalem Zeiger zu kaufen, so dass die Digitaluhr wenigstens in diesem Bereich noch eine Berechtigung hatte.
Eine übergroße Pilotenuhr eines renommierten Herstellers kann ein Vermögen kosten und durchaus elegant sein, jedenfalls zur gehobenen Freizeitgarderobe. Und doch: eine Pilotenuhr zu Schlips und Kragen trägt ein Pilot, aber nicht ein Geschäftsmann.Also, wenn Sie sich in den dunklen Anzug zwängen, dann bleiben Sie besser bei einem schlichteren Modell.
Dabei haben Sie eine Vielzahl von Möglichkeiten. Bedenken Sie jedoch immer: eine Uhr ist kein reiner Modeartikel, auch wenn die Kaufhäuser uns etwas anderes einreden wollen. Eine gute Uhr steht Ihnen Jahre, ja, Jahrzehnte zur Seite. Ist sie dann all zu modisch, wirkt sie schnell lächerlich.
Bleiben Sie bei Gold- und Silbertönen. Andere Farben sind gewöhnungsbedürftig. Mit Titan oder gebürstetem Eisen können Sie gerade noch durchkommen, wenn Sie ein eher dynamischer Typ sind und Ihr Outfit nicht extrem förmlich ist. Aber stimmen Sie die Farbe der Uhr mit der Ihrer Manschettenknöpfe und Ihrer Gürtelschnalle ab. All zu kleine Herrenuhren wirken feminin, all zu große sind zu sportlich, auch wenn gerade wieder größere Uhren im Trend liegen. Wählen Sie nicht eine Uhr, die modern ist, sondern eine, die Ihnen gefällt und die zu Ihnen passt, denn wie drückte es Modeschöpfer Giorgio Armani so treffend aus: ?Niemand mit Stilbewusstsein würde seine Art, sich zu kleiden, nur um der Mode willen radikal ändern.?
Vielleicht ist auch eine Taschenuhr etwas für Sie. Sie wirkt gediegen, edel und eine Spur konservativ. Allerdings fallen Sie damit auf. Wenn Sie das stört, bleiben Sie bei der Armbanduhr. Klassischerweise wird die Taschenuhr übrigens nicht in Jackett oder Hose festgemacht, sondern in der Weste. Vielleicht greifen Sie sogar zu einer mechanischen Uhr. Dieses ist zwar etwas aufwändiger (Sie müssen sie regelmäßig aufziehen), aber an Stil kaum noch zu überbieten, gerade wenn es sich um eines jener verglasten Modelle handelt, die den Blick auf das Uhrwerk freigeben.
Es gibt nur wenige Gelegenheiten, wo Sie tatsächlich enorm darauf achten müssen, was für eine Uhr Sie tragen. Zum Frack, dem König der Gesellschaftsanzüge, tragen Sie keine Armbanduhr. Die wäre in all dem Prunk zwischen Hemd, Fliege und Einstecktuch zu profan. Eine Taschenuhr geht gerade noch so in Ordnung. Und zum Smoking hat sich etabliert, eine goldene Uhr mit schwarzem Lederband zu tragen. Wenn Sie keine haben, lassen Sie sie lieber ganz weg.
Getragen wird eine Armbanduhr immer am linken Arm, mit dem Ziffernblatt auf der Außenseite. Ansonsten können Sie sich bei der Armbanduhr ausleben. Einzige Grundregel ist nur: Sowie Sie eine Krawatte tragen, sind Sportuhren tabu.
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