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erstellt von: krawatten, am 17.01.2011 16:48 , Clicks: 1121

Kleine Hemden-Materialkunde

Auch unter dem Anzug alles klar

Früher konnte man es sich bei der Wahl des richtigen Hemdes einfach machen. Es galt nämlich noch bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts hinein als Unterwäsche. Als Resultat wurde es möglichst weit verdeckt. Oben durch die hochgeschlossene Weste, am Kragen durch die dezent gemusterte Krawatte. Da man auf der Arbeit dazu teilweise noch Ärmelschoner trug, um die Manschetten und Manschettenknöpfe zu schonen, und das Jackett nicht ablegte, fiel dem gegenüber wahrscheinlich nicht mehr auf, als ob man überhaupt ein Hemd trug.

Nun, das Hemd hat eine imposante Karriere hingelegt. Uns spätestens seit gerade im Geschäftsleben zweiteilige Anzüge nicht mehr als unvollständig gelten (ja, ich weiß, echte Stil-Puristen werden hier aufschreien), ist es nötig, sich da ein paar Gedanken mehr zu machen. Dass manche Kragenformen zum Anzug keine gute Figur machen, hat sich inzwischen allgemein herumgesprochen. Aber woraus sollte das gute Stück denn nun bestehen, wenn man darin immerhin den ganzen Tag verbringen will?
Die Antwort ist überraschend eindeutig: aus Baumwolle. Kaum ein Material ist auch nur annähernd so atmungsaktiv und feuchtigkeitsregulierend. Allerdings kann eine leichte Beimischung von Synthetikfasern das Hemd erheblich glatter fallen lassen. Zudem wird das Bügeln erleichtert.

Nichts gegen Seidenhemden. Ihre Bequemlichkeit und das angenehme Hautgefühl sind legendär. Sie werden aber etwas überschätzt. Während sie in der Tat extrem edel aussehen, schwitzt man leider recht stark darunter. Und auf Seide sieht man jeden Schweißfleck. Bleiben sie bei Seide, wenn es um Krawatten geht. Sonst nicht.
Bei den Baumwollstoffen wiederum gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Qualitäten und Webarten. Ein leichter Batist etwa, gewebt aus feinsten, hochwertigen Garnen, kann im Sommer der absolute Gipfel der Bequemlichkeit sein. Im Winter ist man oft mit einem dickeren Popeline-Gewebe besser bedient. Dazu werden dickere Schussfäden auf eine feinere Kette aufgewebt.

Eine nicht ganz so förmliche Wirkung kann man mit einem dezent gefärbten Hemd in Oxford-Gewebe erzielen. Dabei werden gefärbte und ungefärbte Fäden miteinander verwebt, so dass sich ein melierter Effekt ergibt. Diese Kombination ist oft bei Freizeithemden mit Button-Down-Kragen anzutreffen.
Aus etwas feineren Fäden nach dem gleichen Muster gewebt ist Royal Oxford. Durch seine wesentlich feinere Struktur eignet sich dieser Stoff auch für Businesshemden zum Anzug. Insbesondere in hellblau macht es zu einer dezenten Krawatte Streifen eine sehr gute Figur. Außerdem ist es weicher als „normaler“ Oxford.
Der König der Hemdenstoffe ist Sea Island Baumwolle. Mit etwa 140 Fäden pro Inch ist sie ein ausgesprochen feines Gewebe. Ist sie farbig gewebt, so sind die Farben klar und deutlich voneinander abgesetzt. Die Optik kommt mit ihrem feinen Glanz fast an ein Seidengewebe heran.
Ribbed Twill ist ein Baumwollgewebe, das dem Hemd eine charakteristische diagonale Struktur gibt. Das kann bei einem Partyhemd sehr elegant wirken. Zum Anzug ist es meist zu unruhig. Ist das Muster jeweils ein wenig versetzt, so ergibt sich eine Fischgrätenstruktur, der Herringbone Twill. Auch diese Webung eignet sich eher für Freizeithemden, denn sie ist vergleichsweise grob.

Natürlich gibt es auch bequeme Hemden aus kariertem Baumwollflanell. Tragen Sie sie bedenkenlos – beim Angeln oder auf dem Campingausflug. Für jede andere Anwendung wirken sie zu rustikal. Obwohl: natürlich gibt es kein Tabu ohne Ausnahme. Im Stil der New Classic kombinierten vergangenen Herbst manche Anbieter karierte Holzfällerhemden mit Jackett oder sogar Fliege. Seien Sie sich aber bewusst, dass dieser Look etwas exzentrisches hat. Für das konservative Büro sollten Sie bei gestreifter Krawatte und einfarbigem Hemd bleiben.


Hier geht`s interessant im YoungOffice-Blog weiter..

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