Kleiderordnung – Festliche Anlässe

Festliche Kleidung im Wandel der Zeit

Die Palette festlicher Moden hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Der klassische Kanon umfasste früher Stresemann, Cut und dunkler Anzug für Tagesanlässe, abends trug man Smoking bzw. weißes Dinnerjackett oder den Frack. Heute werden bei offiziellen Tagesanlässen wie z. B. Hochzeiten vermehrt phantasievolle Gehrock- und Spenzervariationen getragen, anstelle des traditionellen Smokings kommt bei glamourösen Nächten der schwarze Anzug ohne Seidenaufschläge zum Einsatz. Der Smoking wird häufig mit schwarzem Langbinder gesichtet und der Frack stirbt mehr und mehr aus. Diese traditionelle Kleiderordnung der Adelsklasse für hohe Feste geht aber nicht durch alle Schichten der Bevölkerung hindurch. Für den Nomalbürger reicht es heute, wenn er einen Smoking zum abendlichen Fest anzieht.

Upperclass -Ballabend

Bei Bällen und Diners vermerken die Gastgeber auf der Einladung „white tie“ oder „cravate blanche“, um auszudrücken, dass die Herren den Frack anlegen sollen. Die englischen und französischen Ausdrücke stehen für die Frackschleife aus weißem Baumwollpikee, die der Herr zum Frack trägt (eine schwarze Schleife tragen die Kellner und Saaldiener). Die Vorgabe „black tie“ weist auf den Smoking hin, denn er wird ausschließlich mit schwarzer Schleife getragen.

Der Frack ist das förmlichste Kleidungsstück in der Garderobe des Mannes. Ergänzt wird er durch das Frackhemd mit Kläppchenkragen und weißer Weste. Kragen, Brust und Manschetten des Frackhemds werden wie die Weste und die Schleife aus weißem Baumwollpikee gefertigt. Die Hose des Fracks ist mit zwei Seidenstreifen an der äußeren Hosennaht ausgestattet, den Galons. Als Schuh kommt nur der Frackpumps in Frage, ein weit ausgeschnittener Lackschuh mit Ripsschleife.

Der Ballabend heute

Anstelle des Fracks wird heute bei Bällen und festlichen Abendeinladungen immer häufiger der schwarze oder mitternachtsblaue Smoking aus dem Schrank geholt. Es gibt ihn einreihig oder zweireihig, mit steigendem Revers (auch Spitzfasson genannt), mit zwei Seitenschlitzen oder ohne Schlitze (aber nie mit Mittelschlitz). Die Revers sind mit Seidensatin oder Rips besetzt und die äußere Hosennaht ziert ein einzelner Galon. Dazu wird das Smokinghemd getragen.

Das Smokinghemd ist weiß oder écru und hat einen Umlegekragen (Kläppchenkragen) und Doppelmanschetten.

Ursprünglich wurde es ausschließlich mit schwarzer Schleife kombiniert, in den letzten Jahren immer häufiger mit einem schwarzen Langbinder.

Wenn Sie heutzutage also mit einem schwarzen Smoking mit passendem Smokinghemd und schwarzer Fliege zum Ball gehen, dann sind Sie immer richtig angezogen. Zur Not tut es auch ein schwarzer Anzug mit weißem Hemd mit einer schwarzen Krawatte.

Zur Hochzeit trägt der Bräutigam …

Der Cut (spricht sich „Katt“ und nicht „Kött“) ist das klassische Hochzeitsoutfit (siehe „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“), allerdings wird er heute fast nur noch in großbürgerlichen Kreisen und vom Adel zur Vermählungsfeier angelegt.

Das Cut-Outfit besteht aus dem langschößigen Rock („Schwalbenschwanz“), einem Hemd mit Umlegekragen und Doppelmanschetten, einer Weste (in Grau, Beige oder Phantasiemuster), einer gestreifte Hose und schwarzen Oxfords (niemals Lackschuhe). Die Krawatte ist je nach Anlass silbergrau (z. B. bei Staatsempfängen oder einer Tauffeier), schwarz (bei Beerdigungen) oder aus farbiger Seide (bei Hochzeiten). Zum Cut gehört der schwarze Zylinder.

Die bürgerliche Abwandlung des Cut ist der Stresemann. Bei dieser Kombination wird anstelle des langschößigen Rocks ein schwarzes Sakko (ohne Seitenschlitze) getragen, die übrigen Bestandteile des Cut-Outfits bleiben aber erhalten. Wichtig: Zum Stresemann wäre ein schwarzer Homburg oder ein Bowler die korrekte Kopfbedeckung, nicht aber der Zylinder.

Verbreiteter und beliebter als die althergebrachten Hochzeitsanzüge sind moderne, aufgelockerte Alternativen. Auf dem Standesamt und in der Kirche wäre der dunkle oder schwarze Anzug für den Bräutigam ausreichend und korrekt. Dazu würde dann ein Hemd in Weiß oder Écru und eine festlich glänzende Krawatte in Metalltönen wie z. B. Silber oder Gold passen, bei den Farben empfehlen sich pastellige Töne, vorzugsweise als Uni aus edel schimmerndem Satin. Eine sehr beliebte Farbe ist Champagner. Falls ein Muster vorkommt, dann ist es sehr zurückhaltend.

Zur großen Feier

Wenn die Eltern zur Silberhochzeit laden, die Großmutter ihren 80. Geburtstag festlich begehen will oder der Betrieb sein 100. Jubiläum feiert, sollte die Kleidung der Gäste dem Anlass gerecht werden. Schließlich geht es um einen besonderen Tag, der den Gastgebern viel bedeutet und in aller Regel mit großem Aufwand zelebriert wird.

Dunkler Anzug, Hemd und Krawatte wären angebracht, am Tage und im Sommer darf der Zwirn natürlich heller ausfallen. Dazu ist ein weißes Hemd die beste Wahl, etwas weniger förmlich aber okay wären écru, hellblau und rosa. Zum dunklen Anzug und weißen Hemd sind Binder in Silber-, Gold- oder Bronzetönen die feierlichste Wahl.

Mit kleinen Motiven oder Dessins bedruckte Seide, glänzende Jacquards oder einfarbige Binder in Satin- oder Ripsbindung kommen ebenfalls in Betracht. Meiden sollte man auffällige Streifen, große Motivmuster und kontrastreiche Farben.

Falls die Gastgebenden explizit wünschen, dass in legerer Kleidung gefeiert wird, z. B. weil der Anlass in den Hochsommer fällt oder einfach keine steife Atmosphäre aufkommen soll, sollte man dennoch ein Mindestmaß an Stil zeigen. Sprich: Keine Kurzarmhemden, kein zu sportliches Sakko und keine Jeans.

Schick Essen gehen

In erlesener Runde im Top-Restaurant

Wenn man sich mit Freunden im Gourmettempel trifft, ist das für Frauen ein willkommener Anlass, sich richtig schick zu machen. Kleid, Hosenanzug oder ein edler Blazer mit einer Designerjeans. Mehrfach wird vor dem Spiegel angeprobt, bis die richtige Wahl getroffen ist.

Da würden die Männer diesem Aufwand nicht gerecht werden, wenn sie sich nur ein Sakko überwerfen. Die Männer müssen dann auf jeden Fall einen Anzug anziehen, vorzugsweise den dunklen. Im Sommer sind auch abends hellere Töne okay. Schwarze Schuhe sind die traditionelle Wahl, gegen dunkles Braun ist heute aber kaum noch etwas einzuwenden. Es sei denn, man isst in einem sehr gehobenen Restaurant oder es geht sehr britisch zu (never brown after six).

Zum Anzug gehört natürlich ein korrektes Oberhemd (mit langen Ärmeln). Weiß, Hellblau oder Rosa, Dessins sollten dezent ausfallen. Zum dunklen Anzug wären Klappmanschetten angemessen aber kein Muss. Die Krawatte ist in einem feinen Restaurant eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Farblich darf man ruhig zu etwas auffälligeren Tönen und Mustern greifen, schließlich hat man sich ja nicht zu einem traurigen oder ernsten Anlass versammelt. Eine gedeckte Krawatte ist mit weißem Hemd und dunklem Anzug allerdings im Zweifel die sicherste Variante.

Mit Freundin/ Frau allein im Gourmettempel

Mit der Dame seines Herzens kulinarische Köstlichkeiten bei Kerzenschein und gutem Wein kredenzt zu bekommen, ist eine der schönsten Unterbrechungen des Alltags, die es gibt. Den Künsten von Koch und Winzer sollte man durch die Kleidung Respekt erweisen. Dass man sich dabei auch bei der Begleiterin ins beste Licht setzt, ist vollkommen klar.

Mehrere Varianten wären angemessen. Schwarzer Designeranzug, weißes Hemd, schwarze Schuhe – George Clooney lässt grüßen. Wer es konservativer mag, wählt den Marineblazer, graue Hose, ein weißes Hemd und eine gestreifte Krawatte. Oder den klassischen dunkelblauen Anzug, dazu ein hellrosa Hemd und eine Krawatte mit rotem Fond und feinem Muster.

Beim Italiener an der Ecke

Es geht hier wohlgemerkt nicht um die Pizzeria, in der man mit der Familie mal schnell was isst, sondern um das gehobene Genre mit korrekt eingedecktem Tisch. Dort wäre abends ein Sakko angemessen.

Dazu passen z. B. ein hellblaues Hemd, Designerjeans und Edelsneakers. Oder ein Polohemd und Chinos (helle Baumwollhosen). Auch ein heller Baumwoll- oder Leinenanzug würde gut ins Bild passen, dazu ein Oberhemd. Die Krawatte darf weggelassen werden, man könnte sonst overdressed wirken.

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