So hält Ihre Krawatte länger

Tipps zur Pflege und Aufbewahrung Ihrer Krawatten

Seide kann empfindlich sein...

Stellen Sie sich vor, Sie verknoten die Ärmel Ihres edlen Kaschmir-Pullovers. Nicht einmal, sondern mehrmals. Und das jeden Tag, über Jahre hinweg. Irgendwann sieht das gute Stück im Armbereich nicht mehr besonders frisch aus. Und mehr als das: das Gewebe leiert aus, an eine sinnvolle Passform ist gar nicht mehr zu denken.

Nun wird wohl kaum jemand einen Pullover einer solchen Tortur unterziehen. Von einem anderen Kleidungsstück hingegen wird erwartet, dass es genau das ohne Murren und Knurren übersteht: die Rede ist von der Krawatte.

Ein simpler Blick auf die Straße zeigt: Krawatten sind manchmal ein wenig nachtragend. Da liegen verdrehte Binder schräg auf dem Hemd, und manch ein Krawattenknoten ähnelt gar einer Mondlandschaft mit Dellen, Hügeln und Kratern. Manch ein Krawattenknoten hat sich gar zu einer Breite von wenigen Millimetern zusammengezogen und dabei den kompletten Sitz des Binders ruiniert. Aber es gibt wohl Dinge zwischen Himmel und Erde, gegen die ist einfach kein Kraut gewachsen...

Mit Dellen in der Krawatte müssen Sie sich aber in den seltensten Fällen abfinden. Meist sind sie das Resultat schlechter Behandlung. Wenn Sie Ihre Krawatte stets gebunden in den Kleiderschrank hängen, sparen Sie morgens vor dem Spiegel eine knappe Minute Arbeit (ja, länger dauert das Binden mit etwas Übung nicht einmal bei aufwändigen Knoten). Dafür sieht der Binder aber stets aus, als hätten Sie gerade darauf geschlafen. Der Knoten verzieht sich schon nach zwei, drei mal Tragen und gerät völlig aus der Form. Zudem können Tragefalten sich nicht wieder glätten, und mit der Zeit bilden sich die reinsten Canyons im Futter. Ja, den Unterschied sieht man.

Sie sollten die Krawatte nach jedem Tragen lösen. Aber nicht mit Gewalt. Am besten ziehen Sie sie locker und nehmen Sie über den Kopf ab, dann können Sie sie in Ruhe entknoten. Rollen Sie die Krawatte anschließend locker auf. Dann sollte sie von allein wieder in Form kommen. Wenn nicht, kann man etwas nachhelfen. Nein, nicht mit dem Bügeleisen. Derart brutale Methoden haben an edlen Seidenkunstwerken nichts verloren. Sondern mit Dampf. Wenn Sie sich nicht gleich eine Dampfstation zulegen wollen, hängen Sie den Binder einfach über die Badewanne. Nun ein schön heißes Vollbad- aber höchstens für Sie, nicht für die Krawatte. Die soll nur die Dampfschwaden abbekommen. Anschließend wird sie wahrscheinlich wieder aussehen wie frisch in Form gefaltet.

Aufpassen sollten Sie schon beim Krawatten binden. Ein sehr fest gezogener Krawattenknoten ist dem Wohl Ihrer Krawatte nicht gerade förderlich. Auch sind manche Knoten in dieser Hinsicht etwas aggressiver als andere. Ein schonender moderner Knoten ist zum Beispiel der Nicky. Locker gebunden hinterlässt er praktisch keine Spuren in der Krawatte.

Wie lagern Sie Ihre Krawatten eigentlich? Zerknüllt in der Schublade, unter den Manschettenknöpfen? Nicht ganz optimal. Hängend auf dem Bügel? Schon etwas besser. Aber auch da werden die empfindlichen Teile gerne mal ein wenig gequetscht. Optimal wäre die liegende Aufbewahrung. Die kostet gar nicht so viel Platz. Denn Krawatten kann man bedenkenlos locker aufrollen. Es gibt spezielle Einbauschubladen für diesen Zweck, aber selbst mit ein paar Sockentrennern oder notfalls ein paar Streifen Pappkarton kann man Ordnung ins Krawattenchaos bringen. Und wenn Sie das nächste Mal fieberhaft nach der edlen Krawatte suchen, wissen Sie, das sie einsatzbereit ist.