"Eine Fliege zu tragen, war nie eine Frage der Mode. Ihre Anh├Ąnger signalisieren damit, dass sie alle Unsicherheiten hinter sich gelassen haben" schreibt Herrenmode Alan Flusser 1996 in "Style and the Man", einem oft zitierten Brevier zur "Kultur der pers├Ânlichen Kleidung". Als obligates i-T├╝pfelchen der feinen Abendgarderobe unverzichtbar wie eh und je, mauserte sich die Herrenfliege zum Anzug zum alltagstauglichen, stil- und bisweilen augenzwinkernd selbstbewussten Modestatement.

Wo kommt die Herrenfliege her?

Historisch ist es noch nicht restlos gekl├Ąrt, was den feinen Herrn urspr├╝nglich dazu motivierte, eine Fliege zum Anzug zu binden. Wie es hei├čt, kam die Schleife zum Hemdkragen Ende des 17. Jahrhunderts mit S├Âldnern aus Kroatien nach Frankreich und wurde von der kost├╝mvernarrten franz├Âsischen Adelsgesellschaft sofort in die Garderobe integriert. Ein anderer Entstehungsmythos will es, dass Madam Pompadour (1721 - 1764) die Fliege en vogue brachte. Die kluge Ma├«tresse Ludwigs XV. soll eine Schleife, die sonst ihr Mieder zierte, als unmissverst├Ąndliches Aper├žu am h├╝bschen Schwanenhals pr├Ąsentiert haben - eine Idee, die sich zun├Ąchst bei den Damen, bald aber auch allgemein in der Noblesse des Rokoko stilbildend durchsetzte.

Wann geh├Ârt eine Fliege zwingend zum Anzug?

Dass eine schwarze Fliege maskuline Eleganz auf unwiderstehliche Weise unterstreichen kann, demonstrierten alle 007-Darsteller von Sean Connery ├╝ber Timothy Dalton bis Daniel Craig. James Bond ohne Abendanzug mit wei├čem Hemd und smarter Seidenfliege am Baccarat-, Roulette- oder Pokertisch? Undenkbar! Grunds├Ątzlich gibt es jedoch nur zwei Anl├Ąsse, die das Tragen der Fliege eindeutig vorschreiben: Den Frack erg├Ąnzt ein Querbinder aus bl├╝tenwei├čer Piqu├ę-Baumwolle perfekt. Die Fliege zum Smoking dagegen sollte auf jeden Fall aus dem gleichen Material wie der Spiegel des Revers gefertigt sein, meistens also aus schwarzem Satin. Ansonsten bleibt es ganz dem individuellen Geschmack und Stilgef├╝hl ├╝berlassen, wann und wo Sie den schicken Querbinder tragen.

Auch bei der Auswahl des Modells d├╝rfen Sie getrost Ihre pers├Ânliche Note ins Spiel bringen - genau wie bei der Frage, ob Sie sich eine Auswahl gebrauchsfertiger Fliegen zulegen oder sie lieber selbst binden. Beide Varianten haben Sinn und F├╝rsprecher: Die bereits vorgefertigte Querbinder sieht immer perfekt aus, kann auch von unge├╝bte H├Ąnden problemlos angelegt und werden und ist eine perfekte L├Âsung f├╝r Herren, die nur sonst ausschlie├člich Seidenkrawatten, Schals oder gar keinen Halsschmuck tragen. Andererseits stehen die unvermeidlichen kleinen Asymmetrien einer selbstgebundenen Fliege zum Anzug f├╝r Charakterst├Ąrke und Individualit├Ąt. Was ├╝brigens Marlene Dietrich oder Winston Churchill genau so wenig entgangen ist wie Robert Downey Jr. und Diane Kruger.

Pers├Ânliche Vorlieben anstelle von Moderegeln

Kein Accessoire des Mannes erlaubt es, so minimalistisch Nonchalance zu demonstrieren wie die Herrenfliege. Erinnern Sie sich an das ber├╝hmte Foto von David Bowie mit m├╝dem Blick und offener Fliege? W├Ąhrend eine knotenlos um den Hals baumelnde Krawatte nach durchfeierter Nacht immer ein wenig "hemds├Ąrmelig" daherkommt, strahlt die offene Fliege immer ein gewisses "Je ne sais quoi" aus. Schlagender Beweis aus j├╝ngster Zeit: Bradley Cooper im hellgrauen Sakko ├╝ber wei├čem Hemd und entfesseltem roten Satinbinder. Apropos kr├Ąftige Farben: Genau so wenig wie in der Frage von Modell und Gr├Â├če gibt es bei der Farbauswahl keine modische Dos & Don'ts in Sachen Anzug mit Fliege (abgesehen von der bereits erw├Ąhnten formellen Abendgarderobe). W├Ąhlen Sie einfach, was Ihnen am besten gef├Ąllt - von schlichter Eleganz in gedeckten T├Ânen bis zu bunten, ja sogar knalligen Punkt- oder fantasievollen Paisleymuster. Mit so manchem Design, das bei einer Krawatte ein absolutes No Go w├Ąre, kann die Fliege den Anzug perfekt in Szene setzen.